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Öl gegen Dehnungsstreifen: Keine Effekte?

Öl gegen Dehnungsstreifen ist laut Internet eine sinnvolle Methode zur Behandlung von Geweberissen. Ein Blick auf die aktuelle Studienlage zeigt jedoch, dass es dafür keinerlei Beweise gibt. Wir haben die Faktenlage einmal für Sie analysiert.

Öl gegen Dehnungsstreifen: Keine Effekte auf Hautrisse?
Öle halten die Haut zwar schön feucht, Effekte auf Dehnungsstreifen scheinen jedoch nicht zu existieren.

Es gibt einen einfachen Grund, warum Öl gegen Dehnungsstreifen immer wieder empfohlen wird: Öle halten die Haut feucht und gelten deshalb als allgemeingültige Empfehlung bei Hautproblemen.

Ein weiterer Grund für die Empfehlung ist der, dass Mandelöl, Olivenöl, Avocadoöl, Rizinusöl und Co zumindest keine negativen Effekte auf die Haut haben. Die Anwendung bei Dehnungsstreifen kann also definitiv nicht schaden, weshalb viele Menschen einfach ihr Glück versuchen.

Im Folgenden stellen wir Ihnen zwei Arten von Ölen vor, die zumindest teilweise hinsichtlich ihrer Wirkung auf Dehnungsstreifen bzw. Narben im Allgemeinen untersucht wurden.

Glycolsäure (Hydroxyessigsäure)

Bei Glycolsäure handelt es sich um eine Alpha-Hydroxycarbonsäure, deren Wirkung in Bezug auf Verjüngungskuren und eines Einsatzes als Peeling bereits in zahlreichen Studien untersucht wurde.

Hinsichtlich ihrer Wirkung auf Dehnungsstreifen und als Vorbeugung bei schwangeren Frauen gab es bisher allerdings keine aussagekräftige Studie. Sämtliche Empfehlungen, Glycolsäure bei Dehnungsstreifen zu verwenden, basieren daher auf unbewiesenen Beobachtungen und eigenem Gutdünken.

Ash et al. (1998)

Es existiert lediglich eine Studie, in der Glycolsäure hinsichtlich ihrer Wirkung auf Dehnungsstreifen untersucht wurde – allerdings ist diese nicht wirklich aussagekräftig.

Die Studie wurde mit insgesamt zehn Versuchsteilnehmern durchgeführt, die die jeweilige Creme über einen Zeitraum von zwölf Wochen hinweg täglich aufgetragen haben.

Als Grundlage diente dabei eine 20-prozentige Glycolsäure, die auf die Dehnungsstreifen aufgetragen wurde. Im folgenden Schritt mussten die Teilnehmer ihre Dehnungsstreifen in zwei Regionen unterteilen, wobei beide Regionen mit unterschiedlichen Substanzen behandelt wurden.

Bei den Substanzen handelte es sich bei der ersten Mischung um eine Kombination aus 10-prozentiger L-Ascorbinsäure, 2-prozentigem Zinksulfat und 0,5-prozentigem Tyrosin. Die zweite Hautregion wurde mit 0,05-prozentiger tretinoinhaltiger Creme behandelt.

Laut der Studie bewirkten beide Cremes eine positive Veränderung des Erscheinungsbildes von bereits ausgeblichenen Dehnungsstreifen (Striae alba). Einen Unterschied zwischen den beiden Cremes gab es dabei allerdings nicht.

Leider konnten die Forscher allerdings keine Aussage darüber treffen, welcher Inhaltsstoffe für diese Wirkung verantwortlich war. Die Studie ist demnach für unsere Zwecke obsolet.

Effekte von Glycolsäure

Letztendlich kann man keine Aussage darüber treffen, welche Effekte Glycolsäure auf die Zellen unseres Körpers haben kann. Man geht allerdings davon aus, dass Glycolsäure die Produktion von Kollagen durch Fibroblasten stimuliert. Außerdem scheint die Substanz die Vermehrungsrate von Kollagen zu erhöhen.

Beide Effekte können einen positiven Einfluss auf das Erscheinungsbild von Dehnungsstreifen haben. Bewiesen wurde letztendlich jedoch noch nichts.

Trichloressigsäure (TCA)

Trichloressigsäure (kurz: TCA) ist eine chlorierte organische Verbindung aus der Gruppe der Carbonsäuren. Sie wird bereits seit vielen Jahren in zahlreichen Hautpflegeprodukten eingesetzt, wobei die Konzentration dabei variiert.

Für die topische Anwendung sollte sie in 10- bis 35-prozentiger Konzentration vorliegen, da Konzentrationen über 50 Prozent zu Hautschädigungen führen können.

Auch bei Dehnungsstreifen wird die Verwendung von TCA häufig empfohlen. Zum jetzigen Zeitpunkt existiert jedoch keine einzige Studie, die sich jemals mit den Effekten von Trichloressigsäure auf Dehnungsstreifen beschäftigt hat.

Nichtsdestotrotz wurde der Nutzen von TCA-Peelings bei der Verbesserung des Erscheinungsbildes der Haut bereits bewiesen – allerdings ohne Zusammenhang mit Dehnungsstreifen (Obaqi et al. 1999).

Fazit: Öl gegen Dehnungsstreifen

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Öl gegen Dehnungsstreifen aufgrund der aktuellen Studienlage sinnlos erscheint. Zwar lässt sich die Hautfeuchtigkeit durch hochwertige Öle verbessern, einen Effekt auf Hautrisse scheinen Öle jedoch keinen zu haben.

Stattdessen sollte man auf Cremes zurückgreifen, deren Wirkung auf Hautrisse bereits bewiesen wurde (zum Beispiel Tretinoin).

Quellenangaben

Ash et al. (1998). Comparison of Topical Therapy for Striae Alba (20% Glycolic Acid/0.05% Tretinoin Versus 20% Glycolic Acid/10% L-Ascorbic Acid). Dermatologic Surgery 24(8): 849-856. DOI: 10.1111/j.1524-4725.1998.tb04262.x

Obaqi et al. (1999). TCA-Based Blue Peel: A Standardized Procedure with Depth Control. Dermatologic Surgery 25(10): 773-780. DOI: 10.1046/j.1524-4725.1999.98178.x

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